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egoistischer Gefühlstrampel

„Du bist ein egoistischer Gefühlstrampel!“

Mittlerweile habe ich aufgehört zu zählen, wie oft ich das bereits gehört habe und das allein in diesem Jahr.

„Deswegen klappt es auch nicht mit den Frauen. Arbeite mal dran!“

Als wär’s so einfach. Ein Klick unter die Einstellungen und die Charaktereigenschaft auswählen. Tut mir Leid so bin ich nun mal.

Und egal was ich mache, es ist immer falsch. Schenkst du ihr die Sterne vom Himmel, ist es zu viel, Hörst du ihr auch einfach nur zu und lässt ihr ihre 5 min., ist es zu wenig. Versuchst du ein heikles Thema mit möglichst viel Witz anzugehen um die Situation zu entspannen, bist du direkt gefühlskalt. Hältst du ein Vortrag über den bitteren Nebengeschmack der frevelhaften Taten deines Gegenübers, wird dir gesagt „Du hast doch keine Ahnung“. Selbst wenn du auch einfach nur die Schnauze hältst, ist es schon falsch, weil man sich keine Mühe gibt einen zu verstehen. Meldest du dich bei ihr um zu fragen wie es ihr geht, wirst du als nervig abgestempelt.

Was soll ich noch tun? Mich umbringen?! Dann hättet ihr alle wenigstens nicht mehr so viel an mir auszusetzen.

Ich kann nichts für eure Wehwechen. Auch wenn ich euch Dutzend mal sage, ihr sollt es lassen oder die Sache anders angehen, macht ihr immer wieder das Selbe. Nach einer gewissen Zeit gehen selbst mir die Ideen aus, wie man euch helfen kann und dann ist man wieder Schuld an allem.

Einige wollen einfach nicht aus ihrer missglückten Situation heraus. Und selbst wenn ich DAS akzeptiere, ist es auch falsch.

Ich bin ja auch sturköpfig und behalte meine schlechte Eigenschaft bei, aber wenigstens akzeptiere ich euch so wie ihr seid, im Gegensatz zu euch.

Ja ich bin nervig, ja ich bin manchmal egoistisch, aber umso aufopfernder bin ich wenn es drauf ankommt und ein Gefühlstrampel war ich nie. Lediglich ein wenig tollpatschig, aber ohne Absicht jemandem damit zu schaden. Ist das so problematisch diese Tatsachen einfach hinzunehmen und zu tolerieren, statt mir jedes mal damit die Psyche dermaßen in den Keller zu kloppen, dass mir nicht mal die Chance gegeben wird aus meiner Depression heraus zu kommen? Ist das wirklich zu viel verlangt?

14.4.10 01:29


Möbius-Syndrom der Gesellschaft

Seit meiner absoluten Depressiven Phase geht es mir mittlerweile wieder halbwegs gut. Aber es gibt immer noch Dinge die mich weiterhin beschäftigen.

Was bewegt einen Mann, der sonst so stabil mitten im Leben steht, dazu mitten in der Schule zu weinen? Wie gravierend ist die Sache, die ihn beschäftigt?

Mittlerweile muss ich mir eingestehen, dass jeder, wirklich jeder, ein psychisches Wrack ist. Es kommt immer nur darauf an wie gut sie es verstecken können und wie gut man aufeinander achtet um es zu bemerken.

U-Bahn. Eine junge, mir unbekannte, Frau sitzt mir gegenüber auf einem Vierersitz. Sie ist blond, hat grüne Augen, ist groß und schlank. Das ist vermutlich alles was jeder andere an ihr sehen würde. Doch wer hat in ihre Augen geschaut außer mir? Wer hat bemerkt, dass sie tief traurige Augen hat? Wer? Wie gut achten wir im Alltag aufeinander? Wir sind immer nur mit uns selbst beschäftigt. „Liebe den nächsten!“ Doch davon ist nichts zu spüren. Was muss passieren, damit wir die Augen öffnen? Damit Menschen nicht sinnlos sterben müssen, ertränkt durch die Probleme, die die Gesellschaft produziert.

Gesellschaft. Was ist das? "Im weitesten Sinne die zeitlich andauernde räumliche Gemeinschaft von Lebewesen; im engeren Sinne das strukturierte und organisierte System menschlichen Zusammenlebens und -wirkens. Grundvoraussetzung für die menschliche Entwicklung und für die Entfaltung von Kultur.“ (Brockhaus Lexikon)

Zusammenleben? Nebeneinanderleben! Wer hört sich gegenseitig zu? Jeder hat seine eigenen Probleme. Sentimentalität wird sofort als Schwäche abgestempelt, weil niemand sich mit dem anderen befassen will. Traurig.

Jeder trägt eine Maske. Niemand will wirklich ehrlich sein. Sie haben Angst voreinander. Angst schwach zu wirken. Angst nicht mehr in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Angst vor der Gesellschaft. Das ist es.

 „Gesellschaft als Grundvoraussetzung für die menschliche Entwicklung“. Aber hat eine Gesellschaft damit nicht in ihrer Aufgabe versagt? Oder war es von Anfang an ihre Aufgabe psychisch Zerstörte, verängstigte, verlogene und gefühlstote Individuen hervorzubringen?

Pluralistische Gesellschaft. Das ist die Bezeichnung von dem Virus das uns befällt. Für jedes Aufgabengebiet haben wir eine unterschiedliche Maske. Arbeit, Schule, Familie, Freunde, Partner. Für alles eine eigene Maske. Das einzige was immer gleich bleibt sind die Augen. „Schau mir in die Augen, Kleines!“ Tatsächlich sind die Augen das Spiegelbild unserer Seele. Man muss sie nur richtig lesen können und vor allem wollen. Wie viele Leute sehen sich heute noch so intensiv in die Augen? Wenn man einer Frau ein Kompliment über ihre Augen macht, wird es sofort als ein versuch sie anzuflirten abgewertet.

Mir wurde häufig gesagt, dass meine Augen die Umgebung extrem spiegeln würden. Und tatsächlich ist es wohl so, dass sie alles wiederspiegeln. Vor allem spiegeln sie die Gesellschaft wieder, die mich zu dem gemacht hat was ich bin. Einem psychisch zerfressenem Menschen, der von Gewalt jeglicher Art geprägt ist. Meine Augen sind dunkelbraun und tief. Sieht man hinein erblickt man sich selbst doch niemals meine Irisstruktur. Nicht mal ich selbst kann es im Spiegel erkennen. Das einzige was ich sehe bin ich.

28.1.10 00:53


Schicksalhafte Begegnung

Kalter Regen begrüßte mich in den neuen Tag. Ich fühlte mich etwas besser, war aber immer noch nicht ganz beisammen. Getrübt durch das Telefonat mit meiner Oma humpelte ich langsam durch den Regen Richtung U-Bahn. Die Nässe der Straße spiegelte die Umgebung wieder und unterstrich meine niedergeschlagene Laune.

Die Person, die noch zwei Tage zuvor von Selbstmord sprach, begrüßte mich nun mit guter Laune vermischt mit Hyperaktivität und einem Kater vom Vortag. Ihre leuchtenden, braunen Augen ließen mich für eine Weile auch meine Sorgen vergessen.

Im laufe des Tages kam es zu einem Gespräch zwischen uns bei dem ich ihr endlich meine Gedanken anvertraute, die mich seit längerem beschäftigten. Mir war ein Stein vom Herzen gefallen, doch es hörte trotzdem nicht auf weh zu tun.

Nach einer Feier hatte ich noch ein Gespräch. Meine beste Schulfreundin stellte mir vor Augen wie sinnlos und furchtbar traurig das Leben und die Gesellschaft sei und, dass es im Grunde keinen Sinn gäbe noch weiter zu existieren. So weit war ich auch schon Tage davor...   Ihre depressive Sichtweise des Lebens bestätigte nur meine Annahme, die ich schon immer hatte: Nichts hat einen Sinn. Während sie mir ihre Gedanken mitteilte beschloss ich meine erste Zigarette zu rauchen. Ohne jeglichen Grund. Einfach nur so. Während ich das fremdartige, qualmende Etwas im Mund hielt fühlte ich wie der Rauch meine Atemwege verätzt. Doch es war mir egal. Zu allem Überfluss nahm ich auch noch ein paar Schlucke von ihrem Dosenbier. Ich habe gegen all meine Prinzipien verstoßen und es war mir egal.

Die Busfahrt verbrachten wir schweigend und ich war der Überzeugung, dass weder sie noch ich uns nach diesem Gespräch jemals wieder sehen würden. 

Wieder war ich an derselben U-Bahnhaltestelle wie heute morgen. Der Vollmond schien auf die Gleise.

Plötzlich tauchte jemand auf. Ein hyperaktiver ca. 20 Jähriger Mann sprach uns freundlich an. Er erzählte uns, dass ihn seine Freundin vor ein paar Tagen verlassen hat und er direkt am Tag darauf von Freiburg nach Köln gezogen ist und sich nun zu Tode arbeitet. Seine Erzählung hatte aber nicht ein mal ein Hauch von Trauer. Im Gegenteil. Er war fröhlich. Zwar verärgert, dass seine nun Ex-Freundin so eine Dummheit begangen hat, aber er machte wohl das Beste draus. Seine Lebenseinstellung war für uns beide inspirierend. Sein Sinn des Lebens, wie er uns verraten hatte, ist Glücklich zu sein. Er hätte allen Grund dazu tot-traurig zu sein, aber nein. Stattdessen sagt er, dass man im Leben versuchen soll glücklich zu sein...

Vielleicht bin ich betrunken oder zugenebelt vom Nicotin aber ich fand diesen Menschen ziemlich ermutigend. Wenigstens werde ich nicht zu Tode getrübt schlafen gehen und das wäre schon mal ein Anfang...

 

6.9.09 02:18


Friedenstaube für Arme

Ein fröhlicher Klang meines Handyweckers reißt mich wie das böswillige Lachen eines Clowns aus der Traumwelt und der kalte, graue Morgen heißt mich in einen neuen Tag willkommen. Keine Gedanken, keine Gefühle. Ich bin schweinemüde und vollkommen gleichgültig gegenüber allem was um mich herum  passiert.

Manche Menschen meiden Stress, andere ziehen ihn an. Ich meide ihn. Meine Eltern sehnen sich danach. Dummer weise müssen sie mich  immer mit in ihren Stress hinein ziehen. Nur aus diesem Grund muss ich heute früh aufstehen und mit meiner Mutter zu einem Ort fahren, bei dem ich mich ebenso unwohl fühle wie in einer Irrenanstalt.

Bereits beim Aussteigen aus der U-Bahn wird mir mulmig. Die Welt scheint sich zu verzerren. All die Menschen sehen für mich aus wie Monster; verkrüppelte Gestalten dessen bloßes Antlitz in mir Übelkeit hervorruft.

Eine graue Taube mit einem Zweig im Schnabel fliegt an mir vorbei und reißt mich aus dem Albtraum. Schon eigenartig, dass die Ratte der Lüfte auf mich mitten unter all den Menschen wie ein Verbündeter inmitten von Feinden vorkommt. - Die Friedenstaube für Arme. 

Meine Mutter zieht eine Nummer und wir setzen uns in einen Raum, der mir wie eine Ausstellung von Picasso erscheint. Beim Gedanken, die Luft atmen zu müssen, die bereits in zig tausend Lungen dieser Monstrositäten von Innen erblicken musste, ruft in mir zusätzlich Schwindelgefühl hervor. Es erscheint mir viel stickiger und enger als in der geschlossenen Anstalt.

Unsere Nummer wird eingeblendet und wir marschieren in den Beratungsraum wie Rinder ins Schlachthaus. Der Metzger erscheint mir wie ein weiteres Gemälde von Picasso; verzerrt, irreal, abstoßend. Die Tür schließt und ich komme langsam zu mir. Gott sei dank steht das große Fenster in diesem kleinen Raum speerweit offen, auch wenn die Luft dennoch erdrückend ist.

Das Gespräch ist eine Katastrophe. Meine Mutter und die Beraterin sind wie zwei Steinböcke, die mitten auf einer engen Brücke stehen und sich gegenseitig pertu nicht den Weg räumen wollen und mit den Köpfen gegeneinander schlagen in der Hoffnung, dass einer schwäche ist und aufgibt. Das ganze Gespräch entpuppt sich als sinnlos und wir flüchten aus dem Gebäude. Die Nervosität meiner aufgebrachten Mutter fließt in mich hinein und durchbohrt mein Herz. Es ist wie die Druckwelle einer Atombombe nach der Explosion die mir die Luft vollkommen aus der Lunge presst. Ich will hier weg. Zurück in meine vier Wände, die kühler, klarer Luft und wenig Licht. Zurück in mein Bett, in dem ich mich wie ein Embryo im warmen Bauch der Mutter zusammen rollen und friedlich ins Land der Träume versinken kann. Ohne Monster, ohne Stress, ohne enge Flure und ohne Luft die einem das Atmen zur Qual macht.

Wir sind immer noch in der U-Bahn. Die Monster werden langsam aber gleichmäßig wieder zu Menschen, die Luft wird frischer. Ein paar Sitzreihen vor mir erblicke ich ein interessantes und wohltuendes Gesicht. Wie die Venus sich aus dem wilden Meer erhebt, so hebt sich dieses Gesicht hervor inmitten von alten, verschrumpelten und unbehaglichen Fratzen. Irgendetwas in ihrem Gesicht kommt mir bekannt vor. Ihre blauen Augen schauen mich an, doch ich weiche den Blick nicht von ihr ab. Sie gibt nach und dreht sich wieder zum Fenster. Ihre Haare sind gerade mal 3 cm. lang außer am Pony und an den Seiten, wo die Haare länger sind und herabhängen. Ihr Gesicht ist perfekt geformt. Ich wiege mich in ihrem Antlitz und vergesse all den Stress und all die Menschen um uns herum. Ich könnte hingehen und sie ansprechen und sie würde mich vermutlich nicht einmal abweisen. Doch ich bin zu feige und meine Mutter sitzt neben mir. Dieser Gedanke ruft mich wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Das wundervolle Geschöpf steht plötzlich auf und ich merke, dass sie viel größer ist als ich und stelle mir vor wie schön es wäre in ihren Armen zu versinken. Ihre Hose ist dunkel und breit. Eine mit weißen Farbflecken bedeckte Männerhose. Die Bestätigung meiner Hypothese, dass sie von meinem Ufer stammen könnte und das hindeuten auf ihr Berufsleben. Sie ist bezaubernd. Doch da geht sie hin. Aus der U-Bahn auf die Rolltreppe und aus meinem Blickwinkel. Ich bereue es sie nicht angesprochen zu haben. Kaum ist sie weg kommen meine schmerzen und Übelkeit wieder und verfolgt mich bis nach Hause.

Zu Hause angekommen schwebe ich in Erinnerungen an die bezaubernde, große  Frau aus der U-Bahn und bin froh wieder frei Atmen zu können. Plötzlich fällt mir ein, dass die Beraterin mich Erwachsen und Vernünftig nannte. Wie sehr können sich Menschen in mir täuschen… Aber vermutlich ist es genau diese Fassade, die die anderen an mir reizt und sie dazu bewegt mich anzusprechen. Vielleicht sollte ich mich langsam aber sicher zusammen reißen, mein dauernd quengelndes Kind im stich zu lassen und endlich erwachsen und Vernünftig werden. Vielleicht ist es das. Die Lösung für mein Problem. Ich benehme mich wie ein Kind. Ich weine wenn ich nicht das bekomme was ich will. Vermutlich soll ich das Kind in mir fesseln und in einen dunkeln Kerker einsperren und verdursten lassen, damit ich zum lang ersehnten Ziel komme. Doch gleichzeitig, wenn ich dies tue werde ich gänzlich gefühlskalt. Ob das wirklich die Lösung wäre? …

Es ist erst knapp 13 Uhr und ich habe das Gefühl dass der Tag schon vorbei ist, nach all dem was ich heute Morgen erblicken musste. Mal sehen was noch alles auf mich zu kommt...

13.7.09 12:50



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